Mein Claude Code Setup: Wie KI meinen kompletten Arbeitstag steuert
“Guten Morgen”
Das sind die zwei Worte, mit denen mein Arbeitstag beginnt. Ich sage sie laut in mein Mikrofon — und mein KI-Assistent weiß, was zu tun ist.
Nicht weil er rät. Sondern weil ich ihm beigebracht habe, was “Guten Morgen” bedeutet.
In meinem letzten Artikel habe ich meinen Stack vorgestellt — Claude Code, Obsidian, n8n und Whisprflow. Heute gehe ich tief rein ins Herzstück: Claude Code und die eine Datei, die alles zusammenhält.
Die Datei, die alles verändert hat
Claude Code liest beim Start eine Datei namens CLAUDE.md aus deinem Projektordner. Die meisten nutzen sie für Coding-Regeln. Ich nutze sie als Betriebssystem für meinen Arbeitstag.
Kurz für alle, die nicht aus der Tech-Welt kommen: Markdown (.md) ist ein simples Textformat. Überschriften mit #, Stichpunkte mit -, fertig. Kein Programm nötig — jeder Texteditor reicht. Und genau das macht es so mächtig: Du schreibst quasi einen Brief an deine KI, in dem steht, wer du bist und wie du arbeitest.
Mein Einstieg war übrigens Claude Desktop — die ganz normale Chat-App zum Chatten mit Claude. Von dort bin ich irgendwann zu Claude Code gewechselt — das läuft in der Kommandozeile und kann direkt auf Dateien, E-Mails und Tools auf deinem Computer zugreifen. Klingt technisch, ist es auch. Aber es muss nicht Claude Code sein: Claude Cowork kann dasselbe, nur mit einer normalen Benutzeroberfläche statt Kommandozeile. Gleiche CLAUDE.md, gleiche Trigger, gleiche Power — nur anders verpackt.
Meine CLAUDE.md ist über 700 Zeilen lang. Aber sie hat mit 5 Zeilen angefangen:
- Wenn ich "Guten Morgen" sage, fasse meine E-Mails zusammen
- Schreibe E-Mails auf Deutsch, an isländische Kontakte auf Englisch
- Präsentationen immer in Dunkelblau (#163A70) und Gold (#C5A572)
Das war’s. Drei Regeln, die mir ab Tag 1 Nacharbeit gespart haben. Alles andere kam Stück für Stück dazu — jede Woche 2-3 Zeilen, wenn mir auffiel: “Das erkläre ich jetzt zum dritten Mal.”
Du brauchst keine 700 Zeilen. Du brauchst drei Sätze, die beschreiben, was du jeden Tag gleich machst. Das ist der Startpunkt.
Wie ein typischer Morgen aussieht
Ich sage “Guten Morgen” — und das passiert in den nächsten 3 Minuten:
1. E-Mail-Triage. Claude scannt mein Postfach und sortiert jede Mail in drei Kategorien: “Braucht Antwort”, “Warte auf Rückmeldung” und “Archiv”. Für die dringendsten Mails erstellt er Draft-Antworten — in der richtigen Sprache, im richtigen Ton. Ich prüfe, korrigiere wenn nötig, sende. Statt 30 Minuten Inbox-Chaos: 5 Minuten.
2. Tagesüberblick. Claude liest meinen Kalender, offene Aufgaben und aktuelle Prioritäten. Er weiß, was heute ansteht — und was ich gestern nicht geschafft habe. Das Ergebnis ist ein kompaktes Dashboard: Was ist dringend, was kann warten, was kann Claude selbst erledigen.
3. Vorbereitung. Wenn heute ein Meeting ansteht, liegt die Agenda bereit. Wenn ein Dokument fällig ist, hat Claude die Vorlage schon geöffnet. Nicht weil er hellsehen kann — sondern weil es in der CLAUDE.md steht.
Drei Schritte, drei Minuten. Der Rest des Morgens gehört der Arbeit, die wirklich Denken braucht.
Du willst das für deinen Morgen nachbauen? Ich habe eine Starter-Version meiner CLAUDE.md erstellt — mit den wichtigsten Bausteinen, die du sofort für dich anpassen kannst. Hier kostenlos herunterladen.
Warum das funktioniert: Das CLAUDE.md-Prinzip
Die meisten Menschen nutzen KI so: Frage stellen, Antwort bekommen, nächste Frage. Jedes Mal von Null.
Mein Ansatz ist anders. Ich investiere einmal Zeit in die CLAUDE.md — und spare jeden Tag.
1. Kontext schlägt Prompting. Statt jedes Mal zu erklären, wer ich bin und was ich brauche, steht das in der Datei. Claude weiß ab dem ersten Wort, dass ich in drei Sprachen arbeite, in einer regulierten Branche bin und dass Firmenpräsentationen bestimmte Farben haben. Einmal definiert — nie wieder erklären.
2. Trigger statt Menüs. Ich sage “Feierabend” — und Claude fasst meine Meeting-Notizen zusammen, sortiert offene ToDos und bereitet den nächsten Tag vor. Ein Wort statt zehn Klicks.
3. Standards statt Nacharbeit. Dokumentensprache, E-Mail-Ton, Präsentationsfarben — alles steht in der Datei. Keine Diskussion, keine Nachkorrektur. Claude liefert ab dem ersten Entwurf im richtigen Format.
Der Tagesabschluss: “Feierabend”
Das Gegenstück zur Morgenroutine. Ein Wort, und Claude fasst meinen Tag zusammen: Was war in den Meetings, was ist offen geblieben, was steht morgen an.
Aber der eigentliche Wert liegt woanders. Claude teilt meine offenen ToDos in zwei Stapel:
Was Claude erledigen kann — Recherche, Entwürfe, Zusammenfassungen. Das arbeitet er ab, während ich den Laptop zuklappe.
Was auf mich wartet — Entscheidungen, Telefonate, Systemzugriffe. Das liegt morgen früh priorisiert bereit.
Früher bin ich mit dem Gefühl nach Hause gegangen: “Da war noch was.” Heute weiß ich es — weil es aufgeschrieben ist. Nicht von mir, sondern von Claude.
Wie die Teile zusammenspielen: Ein Beispiel
Es war ein Montagmorgen. Ich brauchte für ein Meeting die Wechselkursentwicklung ISK zu EUR — Monat für Monat, von 2008 bis heute. Normalerweise hätte das bedeutet: Daten suchen, in Excel kopieren, Diagramm basteln, formatieren. Ein halber Arbeitstag.
Ich habe Claude gesagt, was ich brauche. 20 Minuten später hatte ich nicht nur die Werte — sondern eine interaktive HTML-Datei, die ich im Browser öffnen konnte. Mit Dropdown-Menüs, über die ich Anfangs- und Endmonat auswählen konnte. Kein Excel, kein Copy-Paste. Eine Datei, die ich direkt ins Meeting mitgenommen habe.
Das war der Moment, wo ich verstanden habe, was die CLAUDE.md wirklich verändert. Claude hat nicht einfach irgendeine Grafik gebaut — sondern eine in meinen Farben, meinem Format, weil die Standards in der Datei stehen. Ich musste nichts nachkorrigieren.
Seitdem passiert das jeden Tag. Mal eine Präsentation, mal eine Zusammenfassung aus drei PDFs, mal eine E-Mail in drei Sprachen. Der Aufwand ist jedes Mal derselbe: sagen, was ich brauche.
Und dieser Artikel? Claude hat ihn vorgeschlagen — weil in meiner CLAUDE.md steht: “Schlag nur Themen vor, zu denen ich aus eigener Erfahrung schreiben kann.”
Was das kostet — ehrlich
| Posten | Kosten | Was es tut |
|---|---|---|
| Claude Pro | ab ~20€/Monat | Das Gehirn — Morgenroutine, E-Mails, Content, Recherche |
| n8n (Self-hosted) | ~5€/Monat | Die Automatisierung — RSS-Scanner, Content-Pipeline |
| Obsidian | Kostenlos | Das Gedächtnis — Meeting-Notes, Wissensmanagement |
| Whisprflow | ~10€/Monat | Die Stimme — ich spreche, tippe nicht |
| Gesamt | ab ~35€/Monat |
Claude Code ist bereits im Pro-Abo (ab ~20€/Monat) enthalten. Wer mehr Kapazität braucht, kann auf Max upgraden — aber zum Starten reicht Pro völlig.
35€ im Monat. Dafür ein Assistent, der drei Sprachen spricht, morgens meine E-Mails sortiert, Content-Ideen bewertet und Meeting-Notes zusammenfasst. Die Alternative? Ein Freelancer für 2.000€+ im Monat. Oder 8-10 Stunden Routinearbeit pro Woche, die ich jetzt für echte Arbeit nutze.
Die Lernkurve: Ehrlich gesagt
Ich habe nicht bei Null angefangen. Meine erste CLAUDE.md habe ich aus einem Blogartikel übernommen — eine Vorlage, die jemand anderes geteilt hat. Und sie hat sofort funktioniert. Nicht perfekt, aber genug, um den Unterschied zu spüren.
Was dann passiert ist: Ich habe sie Stück für Stück auf mich zugeschnitten. Erst die Sprach-Regeln, weil Claude eine E-Mail auf Deutsch geschrieben hat, die auf Englisch hätte sein sollen. Dann die Präsentationsfarben, weil ich zum dritten Mal manuell nachkorrigiert habe. Dann die Morgenroutine, weil ich jeden Tag dieselben fünf Schritte erklärt habe.
Nach einem Monat war es nicht mehr die Vorlage von jemand anderem — es war meine. Nach drei Monaten kannte Claude meinen Arbeitsstil besser als jedes Tool, das ich vorher benutzt hatte.
Der Punkt ist: Du musst das Rad nicht neu erfinden. Nimm eine Vorlage, die funktioniert, und mach sie zu deiner. Meine Starter-Version kannst du hier herunterladen.
Was ich jedem rate, der anfangen will
Nicht alles auf einmal. Am besten mit einer Vorlage starten — meine Starter-CLAUDE.md kannst du hier herunterladen — und dann Schritt für Schritt anpassen:
1. Starte mit EINEM Trigger. Zum Beispiel: “Guten Morgen” soll deine E-Mails zusammenfassen. Mehr nicht. Wenn das funktioniert, kommt der Rest von selbst.
2. Schreib auf, was dich nervt. Jedes Mal, wenn du denkst “Das mache ich jeden Tag, und es ist immer gleich” — das gehört in die CLAUDE.md. E-Mail-Signatur? Rein damit. Präsentationsfarben? Rein damit. Sprachpräferenzen nach Empfänger? Rein damit.
3. Lass die Datei wachsen. Nicht planen, nicht designen. Einfach jede Woche 2-3 Zeilen ergänzen, die dir heute gefehlt haben. Nach drei Monaten hast du ein System, das dich besser kennt als jedes SaaS-Tool.
4. Sprich, statt zu tippen. Das ist der unterschätzte Gamechanger. Whisprflow oder ein ähnliches Sprach-Tool macht die Interaktion natürlich. Ich sage “Guten Morgen” wie zu einem Kollegen — und bekomme eine Antwort, die besser vorbereitet ist als die meisten Meetings.
Und ja — ich habe diesen Artikel mit Claude Code geschrieben
Nicht generiert. Geschrieben. Der Unterschied: Jeder Fakt hier ist real. Die Morgenroutine läuft wirklich so. Die 115€ bezahle ich wirklich. Die 8 Stunden spare ich wirklich.
Claude hat geholfen, die Struktur zu finden, Formulierungen zu schärfen und Absätze umzustellen, die nicht flossen. Aber die Erfahrung, die Zahlen, die Ehrlichkeit — das kommt von mir.
Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion: KI ersetzt nicht deine Stimme. Sie verstärkt sie.
Du willst dein eigenes Setup bauen? Schreib mir auf LinkedIn — ich helfe gern mit dem ersten Schritt.
FAQ
Brauche ich Programmierkenntnisse für CLAUDE.md?
Nein. Es ist reines Markdown — Überschriften, Stichpunkte, Tabellen. Wenn du eine E-Mail schreiben kannst, kannst du eine CLAUDE.md schreiben.
Muss ich ein Terminal benutzen?
Nein. Ich nutze Claude Code (Terminal), aber Claude Cowork bietet das Gleiche mit grafischer Oberfläche — wie eine normale App. Die CLAUDE.md funktioniert in beiden identisch. Und selbst Claude Desktop, die Chat-App, unterstützt mittlerweile Projekte mit eigenen Anweisungen.
Geht das auch mit anderen KI-Tools?
Teilweise. ChatGPT hat Custom Instructions, Gemini ist in Google integriert, Copilot sitzt in Microsoft 365. Die Grundidee — der KI einmal sagen, wer du bist und wie du arbeitest — funktioniert überall. Aber die CLAUDE.md als lebendes Dokument, das mit deinem Dateisystem arbeitet, ist aktuell einzigartig.
Ist das sicher? Was ist mit sensiblen Daten? Ich nutze Claude Code ausschließlich für nicht-sensible Daten — private E-Mails, öffentliche Nachrichten, eigene Projekte. Alles, was unter Verschwiegenheitspflicht fällt, bleibt in der geschützten Firmenumgebung. Zwei Systeme, null Kompromisse. Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.
Wie lange hat es gedauert, bis das System lief? Die Basisversion (Morgenroutine + E-Mail-Triage) stand nach zwei Wochen. Das volle System mit Content-Pipeline und automatischem Tagesabschluss hat sich über drei Monate entwickelt — organisch, nicht geplant.
Was passiert, wenn Claude Code sich ändert oder weg ist?
Die CLAUDE.md ist meine Datei — sie gehört mir, nicht Anthropic. Die Routinen, Standards und Trigger sind dokumentiert und übertragbar. Wenn morgen ein besseres Tool kommt, nehme ich meine CLAUDE.md mit.