Mein Stack: Wie Claude Code, Obsidian, n8n und Whisprflow meinen Arbeitsalltag steuern
Montag, 6:47 Uhr
Bevor ich den Laptop aufklappe, ist mein Tag schon vorbereitet.
Über Nacht hat mein System isländische Nachrichten gescannt, gefiltert und auf Deutsch zusammengefasst. Content-Ideen für die Woche liegen bereit. Meine Aufgaben sind priorisiert.
Ich öffne meinen Rechner, schaue kurz drüber — und bin in 12 Minuten startklar. Früher hat das 45 Minuten gedauert.
Kein Assistent. Kein Team. Drei Tools und ein Server für 5€ im Monat.
Wenn Leute das hören, kommt immer dieselbe Frage: “Welches Tool nutzt du dafür?” Die ehrliche Antwort: Kein einzelnes. Der Unterschied kommt nicht von einem Tool — er kommt davon, dass drei Tools zusammenspielen.
Das Problem: Alles funktioniert — nichts spielt zusammen
Ich habe vieles ausprobiert. ChatGPT, Make.com, Notion, verschiedene Automatisierungsplattformen. Alles hat funktioniert — irgendwie.
Aber jedes Tool war eine Insel. Meine Notizen wussten nichts von meinen Workflows. Meine KI wusste nichts von meinen Notizen. Und ich war derjenige, der alles manuell zusammenhalten musste.
Das eigentliche Problem war nicht, dass mir ein Tool fehlte. Es war, dass keines mit dem anderen sprach.
Der Moment, der alles verändert hat
Es fing mit einem konkreten Problem an: In meiner Rolle als Brücke zwischen Deutschland und Island brauchten wir täglich einen Überblick über isländische Nachrichten — Gesellschaft, Politik, Wirtschaft. Ich habe nach einem Service gesucht, der das liefert. Intensiv. Nichts gefunden.
Dann bin ich auf ein YouTube-Video gestoßen, das zeigte, wie man automatisierte Abläufe mit KI baut. Ich habe mich durchgeforscht, durchgeboxt — und am Ende stand ein System, das jede Nacht Nachrichten-Websites durchsucht, die relevanten Artikel erkennt, zusammenfasst und auf Deutsch in meinen Posteingang legt.
Das war vor zwölf Monaten. Seitdem spare ich jeden Tag 45 Minuten — und der Workflow läuft zuverlässig, ohne dass ich etwas tun muss.
Aber der eigentliche Gamechanger war nicht die Zeitersparnis. Es war die Erkenntnis: Wenn das geht — was geht noch alles?
Was es kostet — und was es bringt
Bevor ich erkläre, wie mein System funktioniert, die wichtigste Zahl:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| KI-Assistent (Claude Code Pro) | ~20€/Monat |
| Spracheingabe (Whisprflow) | ~10€/Monat |
| Notiz-System (Obsidian) | Kostenlos |
| Automatisierung (n8n, eigener Server) | ~5€/Monat |
| Gesamt | ~35€/Monat |
Zum Vergleich: Ein kommerzieller Service, der mir dasselbe liefern würde — einen täglichen, gefilterten, übersetzten Nachrichtenüberblick aus Island, personalisiert auf mein Geschäftsfeld — wäre nicht unter 500€/Monat zu haben. Wenn es ihn überhaupt gäbe.
35€ für 8+ Stunden pro Woche. Das hat sich in der ersten Woche amortisiert.
Die drei Bausteine — in einem Satz erklärt
Mein System besteht aus drei Schichten. Jede hat genau eine Aufgabe:
Obsidian ist mein Notizbuch — aber eins, das andere Tools lesen und beschreiben können. Alle meine Notizen, Ideen und Projekte liegen dort als einfache Textdateien. Lokal auf meinem Rechner, kostenlos, ohne Abo. Wenn Obsidian morgen verschwinden würde, hätte ich immer noch alle meine Daten.
n8n ist mein unsichtbarer Assistent — eine Automatisierungsplattform, die auf meinem eigenen Server läuft. Ähnlich wie Zapier, aber ohne laufende Gebühren und ohne Beschränkungen. Sie sammelt über Nacht Informationen, filtert sie und legt sie in Obsidian ab. Der Island-News-Workflow war nur der Anfang.
Claude Code ist mein KI-Co-Pilot. Ich beschreibe in normaler Sprache, was ich brauche, und bekomme Texte, Strukturen, sogar ganze Apps zurück. Kein Chatbot — ein Assistent, der direkt mit meinen Dateien arbeitet. Keine Programmierkenntnisse nötig.
Wichtig: Ich nutze Claude Code für persönliche Projekte und Recherche aus öffentlichen Quellen. Für vertrauliche Arbeitsinhalte hat mein Arbeitgeber eine eigene, geschützte KI-Umgebung — das ist alles andere als selbstverständlich und zeigt, wie ernst das Thema dort genommen wird.
Das Entscheidende: Diese drei Tools können miteinander kommunizieren. Obsidian speichert, n8n automatisiert, Claude Code denkt mit. Und ich steuere das Ganze.
Wie alles zusammenspielt
n8n sammelt Informationen (über Nacht, automatisch)
↓
Obsidian strukturiert Wissen (abgelegt, verlinkt)
↓
Claude Code verarbeitet & erstellt (auf Anfrage)
↓
n8n verteilt Ergebnisse (Newsletter, Ablage)
Konkretes Beispiel — mein Montagmorgen:
Bevor ich den Laptop aufklappe, hat n8n über Nacht bereits:
- Isländische Nachrichten gescannt und zusammengefasst
- Content-Ideen für die Woche generiert
- Relevante Informationen in Obsidian abgelegt
Ich öffne Obsidian und finde alles vor — strukturiert und priorisiert. Dann starte ich Claude Code und sage: “Zeig mir die relevanten Nachrichten und erstelle mir einen Überblick für meinen Tag.” In 12 Minuten bin ich startklar.
Was Claude Code dabei wirklich verändert hat: Es ersetzt nicht mein Denken. Es ersetzt das Sortieren, Strukturieren und Formulieren — also genau die Arbeit, die Zeit kostet, aber keinen echten Mehrwert schafft.
Drei Workflows, die den Unterschied machen
1. Der Island-News-Workflow (mit dem alles begann)
Jeden Morgen um 6:00 Uhr — automatisch, ohne mein Zutun:
- n8n holt Nachrichtenartikel von isländischen Medien
- Die Artikel werden nach Relevanz gefiltert — Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Kein Sport, kein Klatsch
- Relevante Artikel werden mit KI zusammengefasst und auf Deutsch übersetzt
- Das Ergebnis landet als Newsletter in meinem Posteingang
Ersparnis: 45 Minuten pro Tag — jeden Tag, seit über einem Jahr.
2. Der Content-Pipeline-Workflow
Jeden Sonntag scannt ein Workflow die Island-Nachrichten der Woche und generiert Content-Ideen für Blog und LinkedIn. Die Ideen landen automatisch in einer Tabelle, wo ich sie bewerten und priorisieren kann.
3. Der Wissens-Workflow
Informationen, die ich über den Tag verarbeite, werden automatisch in Obsidian abgelegt — strukturiert, getaggt, verlinkt. Kein Copy-Paste, kein “Wo hatte ich das nochmal gespeichert?”
Der Beschleuniger: Sprechen statt Tippen
Seit einem Monat gibt es ein viertes Tool: Whisprflow — eine Spracheingabe-App, die überall funktioniert, wo man Text eingeben kann.
Klingt unspektakulär. Ist es nicht.
Ich spreche jetzt statt zu tippen. Claude Code Prompts? Gesprochen. Email-Entwürfe? Diktiert. Recherche-Aufträge? Auf dem Handy vorbereitet, unterwegs, zwischen zwei Terminen.
Ich bin rund dreimal schneller als beim Tippen. Was vorher eine Minute Tipparbeit war, ist jetzt ein 20-Sekunden-Sprachbefehl. Über den Tag summiert sich das enorm.
Aber der eigentliche Gamechanger ist ein anderer: Spracheingabe senkt die Schwelle, überhaupt anzufangen. Einen langen Prompt tippen fühlt sich nach Arbeit an. Ihn aussprechen fühlt sich an wie Denken. Das klingt nach einem kleinen Unterschied — aber es verändert, wie oft und wie selbstverständlich ich meine Tools nutze.
Besonders wertvoll ist Whisprflow mobil. Ich kann unterwegs auf dem Handy komplexe Aufgaben vorbereiten — und wenn ich am Rechner bin, ist alles bereit. Das Smartphone wird vom Konsumgerät zum Produktivitätswerkzeug.
Für wen ist das was — und für wen nicht?
Ich sage es direkt: Dieses Setup ist nicht für jeden. Du brauchst:
- Ein konkretes Problem — “Ich will automatisieren” reicht nicht. “Ich will jeden Morgen automatisch einen Nachrichtenüberblick” schon
- Bereitschaft zum Einrichten — der initiale Aufbau dauert ein paar Wochenenden
- Frustrationstoleranz — nicht alles klappt beim ersten Mal
Was du nicht brauchst:
- Programmierkenntnisse (ich habe keine)
- Ein großes Budget (35€/Monat)
- IT-Erfahrung
Wenn du regelmäßig repetitive Informationsarbeit machst — Dinge sammeln, sortieren, zusammenfassen, weiterleiten — dann lohnt sich der Aufwand.
Mein Rat: Fang mit einem Problem an
Fang nicht mit dem Stack an. Fang mit einem Problem an.
Bei mir war es der Island-News-Workflow. Ein konkretes Problem, eine Lösung, die funktioniert hat. Daraus ist der Rest organisch gewachsen — über zwölf Monate, nicht über ein Wochenende.
Mein Vorschlag für den Start:
- Obsidian installieren und eine Woche lang Daily Notes schreiben. Nur schreiben, kein System bauen
- Ein repetitives Problem identifizieren — was machst du jede Woche manuell?
- n8n oder Make.com testen — einen einzigen Workflow bauen, der dieses Problem löst
- Claude Code ausprobieren — die kostenlose Version reicht für den Anfang
Und wenn Fragen aufkommen: Dafür ist die KI da. Claude Code hat mir die Templates für Obsidian erstellt, die Verbindung zwischen den Tools aufgebaut und mir gezeigt, wie ich Hotkeys einrichte. Du musst kein Technik-Experte sein — du musst nur bereit sein, mit der KI zusammenzuarbeiten.
Mein System sieht heute völlig anders aus als vor sechs Monaten — und in sechs Monaten wird es sich wieder verändert haben.
Nutzt ihr Obsidian, n8n, Claude Code oder Whisprflow? Oder habt ihr einen komplett anderen Stack? Schreibt mir auf LinkedIn — ich zeige euch gerne mehr Details zu meinen Workflows.